•  

    Uli Staiger

    Wir haben ein Interview mit Uli Staiger geführt. In diesem Interview erfährst Du einiges über seine Arbeiten und seine Techniken.

     

Bilderstrecke

 
 

 
 
 

Interview mit Uli Staiger

 
 

Wie hast Du dir das Wissen für deine Composing Techniken angeeignet?

Ich war 2 Jahre auf der Fachschule für Fototechnik, aber das meiste was diese Art der Bildbearbeitung ausmacht, das kannst du dir nur selbst beibringen.

Hat das relativ lange gedauert, bis du so weit warst?

Es geht nicht um die Technik. Die Technik kannst du jedem relativ schnell beibringen. Wenn du den ganzen Tag irgend welchen Kram fotografierst, so wie heute, da fotografieren wir so Geschichten für ein Buch, das macht Spaß, das ist nett, aber das sind alles keine Bilder, wo ich dann sag, „Hey was bin ich für’n toller Kerl“. Das ist alles erlernte Technik und wenn du dann untersuchst, warum bin ich Fotograf, warum hab ich das überhaupt machen wollen, dann musst du ja versuchen, so was wie deinen eigenen Stil zu finden. Also ganz klar! „ Suche deinen Stil! Warum fotografierst du? “ Und wenn du dann anfängst zu suchen, das ist gar nicht so einfach. Weil das, was du machst, hat irgendeiner, immer schon mal sehr viel besser gemacht. Dann kommst du irgendwann dahinter, alles was es gibt, wurde schon mindestens 20 Milliarden Mal fotografiert.

Kann es sein, dass von dir schon einmal Arbeiten im Fernsehen zu sehen waren?

Vor 2 Jahren zur Fotokina, das ist x-Mal wiederholt worden, eigentlich für 3sat produziert, wurde dann vom ZDF mehrfach gesendet.

Gibt es so was wie dein Lieblingsbild, dein Favorit?

…. es sind wenige, ich produziere eigentlich ganz wenige, ich mach maximal 10 Bilder pro Jahr, oder schon eher weniger, und deswegen ist das letzte meist auch das coolste eigentlich.

Weil es für dich dann ein Fortschritt ist?

Du kannst immer wieder drüber nachdenken, was hast du eigentlich gemacht, was gefällt dir, was gefällt dir nicht, in welche Richtung willst du weitergehen? 

Wenn du da gut bist und einen guten Tag hast, und in die richtige Richtung weitergehst, dann auch noch die Technik, was dir nicht gefällt, bei dem wo du sie angewandt hast und verbessert beim nächsten anwendest, dann kommst du immer auch zu Ergebnissen die auch besser werden. Du entwickelst dich, vergleichst was du tust mit anderen, machst es nach, oder machst genau das Gegenteil davon. Es wäre schlimm, wenn man sich nicht verändern würde. Wenn ich mir meine ersten Sachen anschaue, dann gibt es schon noch eine ganze Menge die man verbessern könnte.

Was ist für dich wichtiger, deine Selbstverwirklichung oder der kommerzielle Erfolg mit deinen Arbeiten?

Ich hab mal bei einem Fotografen in den USA ein dreiviertel Jahr gearbeitet, wo ich wahnsinnig viel gelernt habe in Punkto Licht. Auch viele andere Sachen. Als ich in dessen Studio war und die ganzen Bilder an den Wänden sah, dachte ich nur, das darf nicht wahr sein, der ist das? Wahnsinn! Als der mich dann angerufen hat, wie kann das sein, der muss doch eh schon zigfacher Millionär sein. Der konnte sich manchmal nicht mal Turnschuh leisten. Der hat genauso Schwierigkeiten gehabt in seiner Ehe, der hat genauso manchmal mit der Miete … Uaaahh … ging gerade so…      

Wobei, er hat auch 8000 Dollar Miete gezahlt. Der war besessen, besessen von dem was er getan hat und er war so gut in seiner Arbeit, dass er die wirtschaftliche Seite nicht wirklich in den Griff bekommen hat. Und das sind dann solche Sachen, die man schwer ernüchternd wahrnimmt. Es sollte beides einigermaßen miteinander korrelieren. Und wenn es nicht so ist, dann ist es immer noch wichtiger, dass einer gute Bilder macht. Lieber soll er arm sterben, als dass er nichts seiner Nachwelt hinterlässt. 

Da gab es doch mal ein Interview eines bekannten Produktfotografen der sich darüber ausgelassen hat, dass er nur noch eine Nutte der Industrie ist. Schränkt einen Auftragsfotografie nicht zu sehr ein? 

Diese komische Ambivalenz steckt darin, du musst diese Kreativität haben, sonst kommst du nicht weiter, und wenn du sie voll auslebst, dann kommst du auch nicht weiter. Was dich fördert, stoppt dich. Diesen Mittelweg dann zu finden, ist für manche Leute ab einem gewissen Level dann kaum mehr möglich.

Wie machst du das für dich?

Bei mir ist das super einfach, die meisten Arbeiten, die du jetzt siehst, und die sozusagen meine Arbeit ausmachen, sind meine Arbeiten. Da kann dir niemand reinreden, die sind einfach nur auf Grund meiner Ideen, Fantasie entstanden. 

Und so was, was ich jetzt hier mache, da wird man natürlich nicht reich von. Auf jeden Fall kommt da aber soviel Kohle rüber, bei einer Produktion von einer Woche, dass ich davon die Miete wunderbar zahlen kann, mir ab und zu mal ein Brötchen kaufen und ins Kino gehen kann. Das heißt ich hab nach einer Woche Produktion circa 2 Tage Nachbearbeitung, das sind insgesamt 7 Tage, der Monat hat aber 28.

Und das heißt, in diesen 7 Tagen verdienst du das Geld und den Rest des Monats hast du dann Zeit für deine Projekte?

Vereinfacht ausgedrückt, genau das! Dann kann mir natürlich keiner. 

Jetzt weiß ich, was ich falsch mache. Ich mach einen Tag Bilder und bearbeite 3 Wochen lang.

Nein das machst du nicht falsch, das ist im Prinzip so ähnlich. 

Die Vorbereitung braucht Zeit, das Fotografieren braucht Zeit.

Wo liegt dein Schwerpunkt, mehr in der Fotografie oder in der Bildbearbeitung?

In der Mischung! In der Kombination dieser beiden Dinge. Du musst erst die Idee entwickeln, wenn du die Idee hast, kannst du für diese Idee fotografieren. Wenn du mit der Fotografie fertig bist, kannst du dich hinsetzen und die ganzen Sachen gemäß der Idee, oder einer Skizze die du aus der Idee entwickelt hast, zusammenbauen.

Also kann man nicht sagen der Schwerpunkt, denn es gehört zusammen.

Das was da am Ende dabei herauskommt, ist nur so gut, wie der schwächste Teil deiner Vorbereitung. 

Wie gehst du da vor? Hast du da eine Art Plot, schreibst du das auf?

Das hab ich zuerst mal im Kopf, wenn es im Kopf nicht funktioniert, dann bringt es nichts. Dann musst du es visualisieren. Am besten ohne jede Technik, mit Bleistift und einem Blatt Papier. Und dann machst du einen Entwurf, zwei, drei, vier, fünf… aber ohne, dass du mit irgendwas belastet wirst. Wie z. B. das Grafiktablett funktioniert nicht, die Strichstärke sieht irgendwie künstlich aus, dies geht nicht, das geht nicht. Quatsch!

Nimm ein Bleistift in die Hand! Wenn du das nicht kannst, dann lernst du es! Das ist ganz einfach. Das sind keine dollen Zeichnungen die ich da mache, also nichts wo man ausrastet und sagt boahhh… tolle Werke. Niemals! Ich kann damit das aufzeichnen, was ich aufzeichnen will, nämlich eine grobe Perspektive, den Gegenstand grob skizziert, aber so ungefähr müsste er aussehen. Wenn ich das weiß, dann weiß ich auch, wie ich das fotografieren muss. Also geht’s darum diese Sache  zu beschaffen. Und die Bildbearbeitung ist dann der Teil, der nicht so ganz schnell geht, aber der nach klaren Vorgaben abläuft. 

Wie lange brauchst du dann für die Umsetzung? Greifst du dabei auf deinen Datenbestand zurück?

Nein, ganz wenig. Ich geh wirklich raus. Nehmen wir das Beispiel von dem Flieger an der Tankstelle. Die Idee hatte ich mehr oder weniger schon relativ lange, irgendwann hab ich einen Entwurf daraus gemacht, hab eine passende Tankstelle gesucht. Das ging auch schnell. Wo krieg ich einen Flieger her? Einen Flieger kriegst du bestimmt im Museum. Also hier im Technikmuseum. Nur die Luftfahrtabteilung war noch nicht eröffnet. Die Ju52 die ich eigentlich dahin stellen wollte, hat sich dann einige Zeit später als nicht geeignet herausgestellt. Sie war völlig ungeeignet, weil sie zugebaut von anderen Flugzeugen und mit Spot Lichter beleuchtet, einfach nicht zu fotografieren war. Ich hab mich dann auf eine C4 spezialisiert, eine Militärversion von der DC3, da hat sich dann herausgestellt, die ist viel zu groß. 

Also was gibt noch einen Bruch? Ein altes Flugzeug gibt einen Bruch, Cessna würde gehen. Mit Bruch meine ich etwas das du im Kopf schwer zusammenkriegst, also dann kann es nur noch ein Kampfjet sein. Also bin ich zu Karstadt, hab mir einen Modellsatz gekauft und hab fast eine Woche an so einem blöden Modell gebaut.

Um dann festzustellen, dass das einfach nicht realistisch aussieht. Die Oberfläche stimmt nicht, allerkleinste Abweichungen beim Zusammenbau sehen aus wie riesige Risse. Dann hab ich weitergesucht. Und bin irgendwann auf das Luftwaffenmuseum in Gatow gekommen, von dem ich gar nicht wusste, dass es existiert. Das hat mir jemand aus dem Technikmuseum erzählt, ich hab dann dort angerufen und festgestellt, dass es überhaupt kein großes Problem ist. Die waren sehr nett, freundlich, sehr hilfsbereit. Also das war das größte Problem, den Flieger im richtigen Licht zu erwischen, ihn überhaupt erstmal aufzutreiben, das Fotografieren selber ist eine Kleinigkeit. Man stellt die Kamera auf, macht 10 Aufnahmen. Fertig!

Das Ganze dann hinterher im Rechner zusammenzubauen ist, im Verhältnis damit gesehen, eine Kleinigkeit. 

Das ist natürlich ein anderer Weg, als der, den wir gehen, wir ziehen herum und sehen und lassen uns von dem inspirieren.

Man wird ja auch inspiriert, permanent. Du siehst hier was im Netz, du siehst da was als Werbung. 

Zum Beispiel hab ich diese Korkwelle irgendwann mal gesehen, nicht als Korkwelle, sondern als Welle von Zetteln. Es gibt den Fotografen, kennt ihr wahrscheinlich auch, Thomas Herbrich, der macht auch Digitalcomposing, allerdings macht er das extrem formvollendet, extrem gut, High-End ist gar kein Ausdruck. Er hat eine Welle produziert, die einen Menschen, der in einem Meer aus Formularen schwimmt zu erschlagen scheint. Ich guck das Bild an und denke, wie hat der das gemacht, wie kriegt man so was hin? Und da hab ich ihn gefragt, ist das mit Photoshop gemacht? Photoshop kennt er gar nicht hat er gesagt, er arbeitet mit Eclipse, das geht auch, es gibt eine Fotoanwendung und gerade für größere Datenmengen ist es wohl ganz gut, obwohl ich höre, das sei sehr kryptisch. Und diese Welle, die hat er gebaut, als Modell. So, also auch da ist die Photoshoparbeit überschaubar, wirklich! Die Hauptarbeit steckt darin, diese Welle zu bauen. Da hab ich gedacht, ich möchte das ganz gern mal probieren, Ich möchte ihm selbstverständlich nicht seine Idee klauen, aber ich möchte sehen, ob ich so was auch kann. Ich hab eine Welle aus Korken gebaut. Ich weiß nicht ob ihr die auf meiner Seite gesehen habt, aber das hab ich zufälligerweise ausbelichtet hier. 

Uli verschwindet kurz in seinem großen Atelier um kurz darauf mit dem Bild in der Hand vor uns aufzutauchen und wir sind erst einmal begeistert.

Die Nachricht in der Flasche ist aber auch nachträglich da hineingesetzt?

Ja die ist nachträglich reingesetzt weil, du hast sehr wenig Einfluss auf den Zettel in der Flasche, wenn er einmal drin ist. Es ist einfacher den Zettel zu fotografieren und anschließend da reinzusetzen. Auch da erübrigt sich die Frage, es ist klar, das der Bau dieses Modells am meisten Zeit in Anspruch nimmt. 

Wie lange hast du gebraucht dafür?

Ich hab erst Zeichnungen gemacht, hab Wellen recherchiert im Internet, wie so was aussieht und hab dann ein Modell aus Knete gebaut. Dafür würde ich sagen, hab ich so einen knappen Tag gebraucht. Dann wusste ich wie es aussieht. Dann musst du erstmal wissen, woraus baust du es, Also Faserplatte, zum Baumarkt fahren, was da am meisten Nerven kostet, ist an der Säge warten bis die das zurechtgesägt haben. Dann hast du es endlich und schneidest diese Profile zurecht. Dann wird das bezogen mit Pappmaschee das geht schnell. Das Bekleben mit Korken ist ein bisschen mühselig, aber an zwei verregneten Nachmittagen ist es auch fertig.

Aber die sind nicht alle selber ausgetrunken, oder? (Gelächter...)

Das sind etwa 3000 Korken, also wenn man alles zusammenzählt, was man im Leben so an Korken in der Hand hatte, könnte das schon genügen…

Das hat also viel weniger mit EBV zu tun als man so denkt?

Das ist vielmehr über die Idee nachdenken und eigentlich ganz konventioneller  Modellbau. Ich hab da letztes Jahr mit angefangen Modelle zu bauen, habe da drei Modelle gebaut, jeweils völlig unterschiedliche, und merke, dass man damit erheblich schneller ans Ziel kommt, je nachdem was es ist natürlich, als das in 3D zu bauen. 

Und die Korken die sind aber einzeln fotografiert?

Die Korken selber sind (ungefähr 30-40 Stück)einzeln fotografiert worden, diese wurden aufgepinnt und vor schwarzem Hintergrund fotografiert. 

Die hast du ganz schnell freigestellt.

Echter Zufall sieht kaum so schön aus wie provozierter, von daher ist diese Variante besser, als die Korken zufällig fallen zu lassen. Ich hab sozusagen eine Korkenwolke entworfen. Die sind alle sehr viel größer fotografiert, als sie später verwendet werden. Also wenn du da beim Freistellen um 2 Pixel den Rand verpasst, macht das gar nichts. Dann sind sie ja außerdem noch mit einem radialen Weichzeichner versehen um ein wenig Geschwindigkeit reinzubringen. Aber, sie sind halt in der richtigen  Lichtrichtung, Flugrichtung damit passt es. Das ganze Modell ist aber auch in 2 Etappen fotografiert, denn die Tiefenschärfe hätte sonst nicht ausgereicht für das ganze Modell. Das Modell war 2.5m lang und knapp einen Meter hoch, also so groß, dass sich diese Welle auch wirklich aus Korken zusammensetzt und nicht nur 5 Korken so ungefähr die Form einer Welle bilden. Die Wirkung für den Betrachter kann nur zustande kommen, wenn die Welle aus vielen, vielen kleinen Teilen zusammengesetzt ist. Ich würde heute wieder einiges anders machen…

Was würdest du da anders machen?

Ein bisschen ruhiger vielleicht, ich würde es nicht so glatt machen, ich hab das erst für eine Stärke gehalten , weil eine Welle sieht auch so aus, nur die Korken vermitteln eben auch noch mal ein anderes Gefühl, deswegen wäre es schlauer gewesen, die nicht so schön nebeneinander zu schieben, sondern ein bisschen wilder anzuordnen. 

Also holst du dir bei anderen Ideen, um sie dann selbst umzusetzen?

Das nicht, es ist eher die Ausnahme. Also man ist ja nicht allein auf der Welt, das heißt es gibt eine ganze Menge Einflüsse, die dich treffen, in den selteneren Fällen sind es Bilder, die ich woanders schon mal gesehen habe. Aber in diesem speziellen Fall war es so, und immer wenn ich über dieses Bild rede, muss ich auch immer über das Bild von Thomas Herbrich reden. 

Das ist irgendwie, so ein Punkt den man da erreicht, jetzt kann ich das auch. Jetzt will ich mir selbst auch beweisen, dass ich das hinkriege. 

Aber ohne das 1:1 zu kopieren?

Nein das ist ganz anders, wobei doch wieder erstaunlich viele Sachen ganz ähnlich sind. Das hat dann damit zu tun, dass es ganz gewisse Regeln gibt, die solche Dinge effektiv und realitätsnah erscheinen lassen. Und da gibt es nicht so sehr viele Möglichkeiten das jetzt ganz anders zu machen. Das ist so fast das gleiche, warum eine Tupolew 144 fast so aussieht wie eine Concorde. Weil, wenn du einen Flieger bauen willst für so und soviel Leute der so und so schnell fliegen soll, dann kannst du es kaum anders bauen. 

Welche schwer zu gestaltende Idee würdest du gern mal verwirklichen?

Das ist nicht so einfach zu beantworten, ob die schwer oder einfach zu gestalten ist. Das stellt sich ja immer erst heraus, wenn man daran arbeitet oder versucht, darüber nachzudenken. Ich hab so ein paar halbfertige Bilder an denen ich gerade arbeite.

Ich würde gerne mehr mit 3D arbeiten, also mit Cinema4D arbeiten.

Ich kann das jetzt nicht genau auf eine bereits existierende Idee beantworten, weil, dann hätte ich ja schon darüber nachgedacht und wäre wo möglich darauf gekommen, dass es gar nicht so schwer ist. Aber ich würde gern mehr damit machen, ohne dass es so aussieht, als wäre es ein 3D Bild. 

Die Möglichkeiten, die man damit hat, die existieren, die sind da, und das würde sich ganz gut einfügen, in das, was ich sowieso mache. 

Wo siehst du die Grenzen bei deiner Technik, bei dem Bearbeitungsstil?

Genau da, an der Stelle. Ich hab ja vorhin schon gesagt, ich hab vor einem Jahr mal angefangen mit Modellen und es gibt sicher Modelle, die baut man als Modell relativ einfach. Ich hab das Modell von einem Luftschiff gebaut, was ich gebraucht habe, es ist ein Phantasieluftschiff, der Phantasie sind in dem Moment auch keine großen Grenzen gesetzt. Dieses Modell hätte ich wahrscheinlich mit sehr viel weniger Aufwand in Cinema gebaut. Es gibt ein weiteres Projekt aus dieser Serie, die sich z.B. mit einem Cinema Luftschiff umsetzen möchte. 

Also so etwas, wie leicht beschreibbare geometrische Formen, sind leichter in Cinema darzustellen und so etwas wie 3000 Korken sind vielleicht im Modell leichter zu machen?  

Das wird wahrscheinlich auf absehbare Zeit auch noch so bleiben. Ich glaube nicht daran, dass wirklich alles mit einer 3D Software zu machen ist. Beim Korkenmodell müsstest du wirklich, weil es sehr hoch aufgelöst ist, selbst die hintersten letzten Korken noch beschriften. Das zu machen ist sicherlich möglich, es ist ein unglaublicher Aufwand. Es würde auffallen, wenn gar nichts draufstehen würde, es schwächt auf jeden Fall das Bild, wenn man nur immer weiterkopieren würde. 

In welcher Auflösung sind die Bilder so gerechnet? 

Sie haben bis auf ganz wenige Ausnahmen, eine Mindestauflösung von DIN A3 also 48 MB, manche haben bis zum doppelten, also irgendwas zwischen 48 und 100MB haben die Bilder als nichtkomprimiertes TIFF. Es ist nicht riesig, aber es reicht dafür aus. 

Welche Anforderung stellt das an den verwendeten Rechner?

Also so 6 GB hab ich, man kann auch mit 2 ganz gut arbeiten, aber als ich den Rechner vor einem Jahr gekauft habe, hatte ich 1GB Arbeitsspeicher. Also ein Bild, das beim Bearbeiten an 1 GB herangereicht hat, konnte ich kaum noch bearbeiten. Wenn du an eine Grenze gerätst, dann ist das schneller eine definitive Grenze wenn der Arbeitsspeicher nicht reicht, als wenn die Rechenpower bzw. die Busgeschwindigkeit zu gering ist, dann dauert es einfach etwas länger.  

Was würdest du nie in deine Bilder einbauen?

Ich wäre versucht zu sagen, ich würde da nie ein Hakenkreuz draufsetzen, aber ich hab vor einiger Zeit ein Flugzeug aus dem 2. Weltkrieg fotografiert, da war auf dem Seitenleitwerk leider so ein Ding drauf.

Ich hab es zwar versteckt, weil das muss da drauf sein aus historischen Gründen, aber ich möchte nicht, dass es jemand mit einer politischen Aussage verbindet. Ich kann da so nichts ausschließen. Also ich habe nicht die Ausrichtung, dass ich mich mit Menschen besonders stark beschäftige, wo ich ziemlich sicher bin, dass sich nichts ändern wird.

Ich kann nicht sagen, dass es nichts gibt, was ich nicht abbilden würde, wenn es passt. Wenn damit ein Ziel erreicht wird, wenn es formal passt und in meine Bildsprache reinpasst, klar. 

Das ist einfach keine Grenze über die ich nachgedacht habe, es gibt so viele Grenzen, die einem natürlich schon gesetzt sind, die Ausrüstung, die Phantasie, die Bearbeitung, also die Technik, die einem zur Verfügung steht, das Vermögen, diese Technik zu bedienen, das sind alles natürliche Grenzen, die man erweitern muss. Vor allem die Phantasie muss man erweitern. Da muss man weiterkommen, das Denken was würde man denn gar nicht haben wollen, das passt gar nicht in den Gedanken rein.

Da ist man dann ganz schnell bei einer Diskussion die es vor einigen Jahren, es ist noch nicht so lange her, gab, da wurden die Anti-Nazisymbole verboten, mit der Aussage es ist die Verbreitung von Nationalsozialistischen Gedankengut.

Also Nazis-Raus Aufkleber, die verboten wurden oder eine Faust die ein Hakenkreuz zerbricht durfte nicht mehr sein, weil dort ein Hakenkreuz zu sehen ist, wobei die genau das Gegenteil gemeint haben und jeder, der einigermaßen klar denken kann, hat das auch gesehen. Dann sind wir wieder bei einer anderen Art von Meinungsbeschränkung, die auch nicht sein darf. Also es muss jedem jederzeit gestattet sein, darüber zu persiflieren, aber er muss sich darüber im Klaren sein, dass er unter Umständen missverstanden wird.

Was hältst du davon, dass sich Fotografen um bekannt zu werden z.B. in der Werbung bewusst solcher Mittel bedienen, um zu provozieren, z.B. die Benneton-Werbung?

Ja, Toscani hat die gemacht, der war aber schon bekannt als er das gemacht hat,  Toscani ist einer der größten Talente, die in der Fotografie unterwegs waren. Der hätte das eigentlich nicht nötig gehabt, aber es gehört natürlich auch dazu zu provozieren, wobei wir jetzt eher bei der Fotografie als Kunstform sind. Dann gehört es auch da dazu, dass man auch Grenzen überschreitet, Grenzen erweitert, das muss man machen! Es ist immer so das einer gewinnt, der andere verliert, der dritte fühlt sich provoziert. Letztlich ist es aber so, dass darüber gesprochen wird und das wird wahrscheinlich auch die Auswirkung haben, die derjenige irgendwo haben wollte.

Wenn du deine Ideen für deine Bilder entwickelst, steht dann da auch immer eine Aussage dahinter, die du transportieren willst, oder geht es eher darum, das Ganze grafisch einfach interessant zu machen?

Also erst einmal, die Aussage überlasse ich immer dem der es anschaut.

Ich verbinde da nicht die Aussage  „Ich will damit sagen, dass..“ 

Wichtig ist das da Dinge zusammenkommen, die nicht zusammen gehören können. Also ich möchte eher beim Betrachter Gefühle auslösen, die man mit dem Wort 

„Häää…?“  beschreiben könnte. Was der dann daraus macht ist seine Sache. 

Es ist auf keinen Fall so, dass ich damit eine Aussage in dem Sinne  

„Der Jet an der Tankstelle braucht viel Sprit…“ oder „Ich finde, dass alle Autos fliegen sollten.“

Darum geht’s mir überhaupt nicht. 

Welches fotografische und bildgestalterische Wissen sollte ein Mensch mitbringen, um sich an solche komplexe Bildbearbeitung zu wagen?

Also als erstes sollte man schon ein wenig Erfahrung mitbringen, man sollte sehen können. Sehen heißt, man muss lernen wie Dinge optisch zusammenhängen, wie sie funktional zusammenhängen, wie sie formal zusammenhängen. Man muss also einem Gegenstand eine Funktion zuordnen können, eine Form zuordnen können. Du musst dich einfach irre lange mit irgendwelchen blöden Bildern beschäftigen. 

Man sollte viel üben, fotografieren, viel sehen, wissen warum man fotografiert und sein eigenes Umfeld mal erkunden, was will ich überhaupt abbilden. Warum will ich überhaupt fotografieren? 

Es ist eine Mode, eine schöne Mode, das viele Leute fotografieren, aber viele wissen gar nicht, warum sie das tun! 

Das fängt schon an, dass ich sehe das Leute in den Urlaub fahren, und dann fotografieren. Der Gedanke ist klar, ich möchte etwas fotografieren, damit ich dann später auch noch was davon habe. 

Es ist aber nicht mehr so, wie vor einigen Jahren, Fotografie ist kein Medium mehr, um Gedanken für längere Zeit zu konservieren, sondern es ist ein reines Kommunikationsmittel geworden. 

Ich hab meine Bilder auf dem Handy dabei, ich hab meine Digicam dabei, ich schick sie per MMS per E-Mail hin und her. 

Du wirst heute zugemauert mit Bildern, wenn du über die Straße gehst.

Also muss man wissen, warum man denn an dieser Kommunikation teilnehmen will. Was man eigentlich zu sagen hat, was man den anderen Menschen mitteilen will, außer der Tatsache guck mal so sieht meine Zahnbürste aus, das ist meine Frau. Das ist alles in Ordnung, aber das ist relativ banale Kommunikation. Du musst also überlegen warum mache ich das Ganze? Was ist in meinem Umfeld überhaupt mitteilenswert? Womöglich die Verbindung von Dingen, dann bist du beim Composing richtig. Womöglich die Existenz von Dingen, dann bist du in der Fotografie eher richtig. Um solche grundlegenden Gedanken musst du dir einen Kopf machen.  

Beim Composing sollten das eher Dinge sein die zusammenhängen, die sich widersprechen, oder beides?

Sie sollten eine Schnittmenge haben. Jetzt nehmen wir mal die Bügeleisen auf der Autobahn. Die gemeinsame Schnittmenge ist, dass ein Bügeleisen, und ein Automobil ähnliche Formen haben. Wenn du an so einen alten Citroen DS denkst, der sieht schon fast aus wie ein Bügeleisen. 

Nimm den Flieger an der Tanke, beides sind Verkehrsmittel die Sprit brauchen. 

Nimm diese Tasse die vom Würfelzucker attackiert wird. Eine Tasse und ein Würfelzucker, das gehört schon irgendwie zusammen, nur ist es normalerweise so, dass man den armen Würfelzucker da rein schmeißt, der löst sich auf und macht den Kaffee süß. 

Oder er greift diese Tasse an, macht aber auch die Tasse kaputt. Du drehst das um was den Gegenstand eigentlich ausmacht. Du bringst es in einem anderen Kontext zusammen. Darum geht es. 

Den Zuschauer verwirren und gleichzeitig damit auch fesseln?

Ich halte die Arbeiten eigentlich für besser, die etwas darstellen, was rein theoretisch, auch wenn der Gedanke noch so entfernt ist, wirklich denkbar ist. Man soll überlegen ist es fotografiert, oder ist es montiert, das macht die Idee ungleich tiefer. 

Macht es für dein Composing den Erfolg aus, dass die Leute überlegen, ist das echt oder nicht?

Naja man überlegt eigentlich nicht so sehr lange, ist es composed oder nicht, sondern man sieht relativ schnell es ist nicht fotografiert, das kann nicht sein. 

Du fügst also nicht einfach die Komponenten relativ neutral belichtet zusammen und erzeugst dann dunkle und helle Stellen im Photoshop, sondern du belichtest die Fotos eigentlich schon so, wie du sie im fertigen Bild benötigst?

Nimm das Beispiel das da liegt, mit diesem U-Bahneingang. Ich hab nicht nur einfach die Landschaft fotografiert, und dann den Bahnhof hineinkopiert, sondern auch das Licht schon bei der Aufnahme mit Blitzen so gesetzt.

Du sagst also, desto mehr man fotografiert, desto einfacher ist das Bild auch umzusetzen?

Logischer ist es vor allem, erst einmal sparst du dir sehr viel Arbeit, zweitens bringst du Dinge zu Wege, die du nur mit Photoshop gar nicht umsetzen könntest. Wenn du dir die Lichtverteilung anschaust bei den ganzen U-Bahnbildern, kommst du dahinter, dass ja nicht nur der Rasen an der Stelle heller ist, und je dichter zum Licht desto heller, sondern, dass ja jeder blöde kleine Grashalm einen Schatten wirft. Und diesen Schatten den kannst du nicht bauen, sodass er realistisch aussieht. Das muss man schon möglichst mit der Fotografie lösen, wirklich schon mit dem Licht arbeiten.

Mit wie vielen Ebenen arbeitest du wenn du so ein Bild erstellst?

das sind zwischen 20 und 300 würde ich sagen, 20 eher selten, meist schon eher 40-50 bei diesen ganzen U-Bahn Sachen ist das gar nicht so sehr viel, weil das sind ja eigentlich bloß 2 Bilder aus denen das ganze besteht. Es kommen sehr viele Einstellungen mit Ebenenmasken dazu, also zwischen 50 und 300 würde ich sagen. 

Was vermittelt ihr in den Kursen, die ihr zum Thema Composing macht? Wird dort mit Vorlagen gearbeitet, oder können die Kursteilnehmer auch an ihren eigenen Bildern arbeiten?

Beides ist möglich, also jeder bekommt eine CD wo die Bilder drauf sind. Die Übungsbilder, mit denen das gut funktioniert, man kann aber auch seine eigenen Bilder mitbringen. Man kann sagen, ich probier das mal, aber in der zweiten Übung nehme ich mal mein eigenes Bild. Was ich auch sinnvoll finde, das macht zwar kaum jemand, aber ich finde es deswegen sinnvoll, weil du ja auch selber an irgendwelchen Problemen hängst. Und wenn du dazu eine Schulung siehst, dann sieht das immer so schwuppdiwupp einfach aus, und jetzt haste dein eigenes Bild und es funktioniert einfach nicht. Und dann ist es sinnvoll mit den eigenen Bildern zu arbeiten. 

Welches Equipment nutzt du dazu? Ist es egal, ob man digital oder analog fotografiert?

spätestens wenn das analoge Bild mal gescannt ist, wo ist da jetzt noch der große Unterschied? Im Format vielleicht, wenn ich ein 8x10 Dia nehme und das mit einem Trommelscanner einscanne und da kommt ein Gigabyte Daten heraus, dann  ist das besser, als wenn ich ein Hasselbladrückteil habe. Aber das ist natürlich ein immenser Aufwand auch diese Bilder dann zu bearbeiten. 

Seit wann fotografierst du digital?

Seit 7 oder 8 Jahren. Ich würde gern noch ab und zu analog arbeiten…Ne Mittelformat RD67 natürlich hab ich,  ich hab eine Sinar Großformatkamera da hinten, mit der ich auch sehr viel gemacht habe, aber irgendwann brauchte das niemand mehr, man brauchte dieses große Format nicht mehr und weiterhin unterscheiden sich die Arbeitsweisen von analog und digital so diametral, dass ist wirklich ungeheuerlich. Ich kann also jedem nur gratulieren, der fotografieren noch analog gelernt hat.

Wo sind da die größten Unterschiede? 

Das ist zum einen diese Löschmentalität, ich hau einfach so viele Bilder rauf bis eines einigermaßen dem entspricht, was ich mir so grob mal vorgestellt habe. Dazu kommt noch, dass du heute jede Kamera mit einem Zoom kaufst, keine Festbrennweiten, und sich die Leute keinerlei Gedanken mehr machen, über die Art und Weise ihres Vorgehens. Wenn ich dieses Glas hier fotografieren will mit einer Analogkamera, da kostest jeder Schuss Geld. Und wenn wir jetzt von Mittelformat und Großformat reden, dann kostet das richtig Asche. Das möchte ich einmal sauber einstellen und dann muss es das aber auch sein. Da muss ich mir vorher Gedanken machen. Auch die Wahl der Brennweite, ich muss mir Gedanken darüber machen. Hab ich jetzt aber eine Digitalkamera, dann sehe ich das Ding von weitem, halte drauf, geh mal ein bisschen drum herum, mach mir aber keine Gedanken mehr. Sondern suche hinterher das Beste raus von 50 Bildern. Dagegen müsste ich mir Gedanken machen, würde ich schnell drauf kommen, dass es aus der und der Perspektive am besten funktioniert, alle anderen kann ich mir sparen.

Dann bin ich mir aber auch sicher, dass ich die beiden besten Perspektiven habe. Wenn ich aber nur drauf los fotografiere, dann kann es sein, ich habe sie und es kann sein, ich habe sie nicht. Ich weis es nicht und was mir nicht gefällt, lösche ich wieder. 

Du nutzt also noch viel von deinem Wissen, das du aus analogen Zeiten hast?

Das ist unschätzbar groß. Es ist vor allem unschätzbar wichtig dieses Wissen. Das hat mit der Fotografie ganz viel zu tun und Fotografie ist nach wie vor die Ausgangsbasis für die ganzen Composing Geschichten. Weil, wenn du wie meine Freundin, die ist Grafikerin und arbeitet oft mit Druckereien zusammen, die hat von einem Drucker den schönen Satz gehört „Ich kann aus einem Arsch kein Brustbild machen!“ Das stimmt natürlich. Wenn du mit mittelmäßiger Fotografie ankommst und da ein super Composing herausholen willst, dann wirst du damit super auf die Nase fallen. 

Also ein Produkt kann nur so gut werden, wie die Summe der Einzelteile?

Das ist es was ich meine, genau! Ebenso kann man aus diesem Satz entnehmen, wenn ich schlecht recherchiert habe, dann kann ich noch so gut fotografieren, da wird nicht so sehr viel draus werden, weil, die Einzelteile ja schon nicht die sind, die ich eigentlich haben wollte. Wenn ich eine schlechte Idee habe, kann ich toll recherchieren, super fotografieren, nur da die Idee nix ist, wird auch das Composing nichts werden. 

Was würdest du dir von den Kameraherstellern wünschen? Bzw. wie müsste eine Kamera aussehen, damit du deine jetzige Ausrüstung austauscht?

Baut Kameras, die viel, viel weniger Möglichkeiten haben, und deren wirkliche Stärke ausgebaut, erweitert wird. Also ich finde meine Kameras, die sind einigermaßen ok, aber sie müssten nicht aussehen wie ein Raumschiff (er deutet dabei auf eine Canon 1Ds MarkII).  

Also etwa so wie eine Leica?

Ja ein Freund von mir, der ist nur deswegen umgestiegen. Er ist ein Fotograf, der sehr weltweit beachtete Sozialreportagen fotografiert, weil die Leica ihm die Möglichkeit gibt, dass er mit einer Kamera fotografiert, wo die Leute nicht von vornherein hinsehen. Wenn er mit einer Mark II auf Leute zugeht, und er fotografiert teilweise in den Slums von Nairobi, das geht nicht, aber wenn er mit so einer kleinen Leica ankommt, da nimmt ihn keiner ernst damit, dann kann er damit arbeiten. Da kommt dann ein 35mm Objektiv drauf. Mit diesen Bombastomaten was soll das? 

Du hast mal gesagt, du legst dann irgendwann mal dein Format fest. 

Ganz am Anfang, als allererstes. Es ist aber auch kein besonders wichtiger Schritt, oder doch, es ist ein sehr wichtiger Schritt. Weil er dir die Wahl lässt, wenn du Geschichten erzählen willst mit Bildern, dann bleibt dir kaum mehr übrig, als mindestens ein Querformat zu nehmen, oder gar ein Panoramaformat. Ein Hochformat verfremdet, weil eine Geschichte von links nach rechts abläuft. Und da hast du ja kaum Platz in einem Hochformat. 

Versuchst du deine Geschichte so den Regeln entsprechend aufzubauen von links nach rechts und von oben nach unten?

Ja das ist eines der wichtigsten Dinge. Das ist ein ganz einfaches Gestaltungsprinzip, das ist eines von denen, die wenn du sie nicht beachtest, für dich entschieden werden. Also du kannst es nur bewusst entscheiden, wenn du etwas ablaufen lässt, von links nach rechts, dann mag es eine bewusste Entscheidung sein, wenn du es unbewusst machst, sieht es aber trotzdem so aus. 

Hochformat ist für dich also nicht so geeignet?

Ja, unsere Augen sind nun mal links und rechts und nicht oben und unten, deshalb ist es eine Art der Verfremdung. Eine leichte Verfremdung aber es ist trotzdem eine Verfremdung. Ich hab auch ein paar Hochformatsachen aber wenig aus diesem Grund halt. Ich hab da nichts dagegen, wer meint er müsste dafür seine Bilder nehmen, der soll das tun, aber er soll sich darüber bewusst sein, dass es vielleicht ein wenig verfremdet. 

Im Bereich Peoplefotografie oder Portrait, da ist das doch aber ein wenig anders, oder?

Da möchte ich ja keine Geschichte erzählen. Da möchte ich ja nicht erzählen, wie dieser Mensch morgens aufsteht, und abends wieder ins Bett geht, da geht es doch wirklich nur darum, das Format für Personen anzupassen. Da ist Hochformat geeignet. 

Was hältst du vom Quadrat als Format?

Also man behauptet, dass das Quadrat das spannungsloseste Format ist, weil ja Höhe und Breite in einem absolut gleichen Verhältnis zueinander stehen, abgesehen vom rechten Winkel, der natürlich auch eine Rolle spielt, ist es ein sehr, sehr ruhiges Format. Aber es ist eben auch, gerade für Leute, die sich viel mit Fotografie beschäftigen, ein absolut klassisches Format. Es hat ganz viel mit Klassik zu tun, mit der 6x6 Kamera, die es seit hundert Jahren gibt. Hasselblad und Rollei haben das sozusagen kultiviert und viele andere Hersteller auch. Das ist genau so ein Klassiker, wie schwarz - weiß Filme. Und wer das macht, der kann sich auch nicht erwehren, dass es von vielen als etwas wahrgenommen wird, das es schon sehr lange gibt. Das verhältnismäßig moderne 6x17 Format, also Panoramaformat, dass ist in heutiger Zeit ein schon recht abgegessenes, aber immer noch recht dynamisches Format. 

Beim Panoramaformat, gibt es da für dich das non plus ultra?

Da bin ich sogar sehr flexibel. Es ist oft so, dass die Bilder zusammen gestitcht werden, aus verschiedenen Einzelaufnahmen, die ich normalerweise im Hochformat aufnehme um mehr Datendichte zu bekommen. Und dann sehe ich ja was ich für ein Format herausbekomme. Es kann natürlich sein, dass irgendwann viel zu viel drauf ist, und dann ergibt sich das Format auf Grund dessen, was ich darstellen möchte. Ich guck, dass ich so viel Material habe, dass ich nicht viel schneiden muss, weil die Ecken schon nicht mehr drauf sind, und das oben so viel Platz ist, dass ich da Freiräume hab. Dann wird aus diesem sehr großen Datensatz von 200-250MB so um die 150 herausgeschnitten, oder 100 die ich brauche. Aber auf Grund des Bildinhalts. Ich bin da nicht festgelegt auf ein ganz exaktes Seitenverhältnis. 

Im Moment läuft ja noch in Tokyo eine Ausstellung und zwar in der Innenstadt, in einer 200m² großen Galerie, eine der wichtigsten, und er selber ist gar kein Fotograf,  er ist eigentlich Sozialarbeiter, hat erst für Ärzte ohne Grenzen gemacht und hat jetzt von denen eine Ausstellung bekommen. Der, der die letzte Ausstellung hatte, war James Nachtwey. Das ist unglaublich. Er wollte in Kenia Sozialprojekte fotografieren, und da Ärzte ohne Grenzen eine der wenigen Organisationen war, die überhaupt dort sind, an die man sich wenden kann, hat er sich einfach mal bei denen beworben und bekam dann das OK, wir nehmen dich mit. Das heißt aber nur, dass er das Recht bekommt dort zu fotografieren, er muss also alles selber finanzieren. Sie kaufen ihm auch kein Bild ab, sondern sie verlangen im Gegenteil dafür, dass er dort fotografiert und sie einige für ihre Zwecke verwenden können. 

Das hat er nun schon mehrfach gemacht, und dann hatten sie bei ihm angefragt, ob er nicht Lust hätte nach Tokyo zu kommen und dann hat er dort die Ausstellung bekommen. Er ist einer von denen die was zu sagen haben, der das maul aufreißt, der etwas mitteilen möchte, und deswegen wahnsinnig gut ist. Er hatte auch viele Situationen in denen er vielleicht seine besten Bilder gemacht hätte, aber er konnte da einfach nicht auf den Auslöser drücken. 

Gibt es eine Ausstellung von dir, die wir in nächster Zeit erwarten können? 

Ja ich stelle in einem Café aus, von einer Freundin von mir, die hat ein neues Café eröffnet, hier in Berlin.

Eine größere Ausstellung ist erstmal nicht geplant. Das Problem mit meinen Bildern ist, dass sie für die Kunst zu kommerziell und für den Kommerz zu künstlerisch sind. Aber das ist auch wieder gut, weil ich mich so ewig lang weiterentwickeln kann, ohne mich festlegen zu müssen.

Befürchtest du Konkurrenzdruck, gerade weil durch den Einsatz von Computern auch vieles einfacher wird?

Nein im Gegenteil, ich würde mich darüber freuen, weil sie es mir einfacher machen meine Ideen umzusetzen, die Stärke ist nicht, dass ich so schön freistellen kann, auch nicht, dass ich die Tonwertkorrektur besser begreife, als andere Leute. Auch sicherlich nicht, dass ich sehr viel schärfer fotografiere als sonst jemand, nach dem Motto diese Kamera (was ich letztens in einer Werbung gesehen habe), jetzt mit extra starkem Trageriemen. 

Die Stärken, dass ist die Idee und eine einfachere Technik ist da erwünscht, macht mir aber nicht wirklich Konkurrenz. Es kann immer sein, dass jemand bessere Sachen macht natürlich, aber die macht er ja nicht auf Grund der Tatsache, dass er der bessere Techniker ist, sondern, dass er die besseren Ideen hat. Die sind in dem Falle dann wahrscheinlich einfach nur anders. Ich hab den Konkurrenzdruck gar nicht, aber dafür verdiene ich da auch nur wenig Geld mit den Bildern. 

Wie schützt du dich eigentlich, was ja nun leider mehr oder weniger en vogue ist, gegen Bilderklau?

Klar ich hab schon gesehen, dass jemand diesen Jet nachgebaut hat, das war nicht irgendjemand, sondern die Innungsmeisterin von Schleswig-Holstein. Die hatte ihr  Auto genommen und hat es derartig grottenschlecht gemacht. Das Ganze ist ja als Workshop zu haben, sogar in einer nicht mal so kleinen Auflösung, und hat dann ihren Namen drunter geschrieben. Weil, sie hat es ja schließlich selber gebaut. 

Das herunterkopieren der Bilder von meiner Homepage ist für mich überhaupt kein Problem, schon allein durch die Auflösung in der es dort gezeigt wird. Wer es dann aber für sein eigenes Bild ausgibt, der ist selber schuld. So blöd kann man doch gar nicht sein, dass es jemand zu einer Agentur schickt und damit Geld verdient, weil die Auflösung stimmt ja hinten und vorne nicht. Das jemand die Sachen selbst nach fotografiert und dann nachbaut, ist legitim. 

Also es stört dich schon, wenn Leute deine Ideen nehmen und das dann nachmachen, vielleicht ein bisschen anders, aber eigentlich keine eigene Idee haben? 

Das stört mich gar nicht! Ich find es nur geschmacklos, wenn jemand das tut und es zu Wettbewerben einreicht und als sein Werk abgibt. 

Also wenn jemand das nachbaut, auf seiner Homepage zeigt als seinen ersten Composing Versuch dann stört es dich nicht?  

Nein. Weil die meisten Leute auch nachfragen, darf ich das, hast du etwas dagegen? Und natürlich hab ich nichts dagegen. Ich find es ja nett, dass sie nachfragen und dann schreib ich denen auch. 

Bilderklau ist da weniger das Thema weil, die sind so speziell die Motive, dass man damit eigentlich als Nichtautor nichts anfangen kann. Ganz anders ist es, wenn du etwas fotografierst, was an anderer Stelle verkauft wird.

Ich hab das Gefühl, wir haben jetzt so viel geredet, dass bekommt ihr doch nie im Leben auseinander.

Vielen Dank....