Bitte stellen Sie sich kurz vor, wie haben sie zur Fotografie gefunden?
Mein Name ist Wolfgang Steiner, ich bin 41 Jahre alt, wohne in Wien, bin Vater einer 8 jährigen Tochter und seit 14 Jahren verheiratet. Zur Fotografie kam ich eigentlich mehr durch Zufall, denn niemand in meiner Familie oder im Freundeskreis frönte damals diesem Hobby. Meine erste Fernreise, welche mich im Juli 1988 auf die Insel Mayaafushi auf den Malediven verschlug, änderte dies aber grundlegend.
Ich wollte eigentlich nur ein paar Erinnerungsfotos mit nach Hause bringen und borgte mir für diesen Zweck die Minolta 7000, samt 50mm Normalobjektiv meines Vaters aus. Mit nur 3Stk 36er Farbnegativfilmen (Kodak Gold 100) im Gepäck gelangen mir damals drei hervorragende Aufnahmen und meine Liebe zur Fotografie begann.
Welche Projekte haben sie in der Vergangenheit bereits veröffentlicht?
Veröffentlichungen im eigentlichen Sinn hat es nie gegeben, sieht man von meiner Homepage ab, die seit 3 Jahren online ist. Ich hatte mir schon öfters überlegt ob ich eine Ausstellung mit meinen Bildern machen soll, aber am Ende stand immer die Frage, welches Thema dafür geeignet wäre und ob ich der Welt wirklich etwas mitzuteilen habe. Dies ist aber ein ganz anderes Thema, welches hier nicht hingehört, denn würden Menschen immer nur dann reden wenn sie wirklich etwas zu sagen haben, wäre es sehr still auf unserem Planeten.
Welche Ausrüstung benutzen sie, gäbe es Alternativen, die besser geeignet wären?
Derzeit fotografiere ich mit einer Nikon D3. Die meistverwendeten Optiken sind das Nikkor AF-S 24-70mm f/2.8, gefolgt vom AF-S VR 200mm f/2.0 und dem AF-S 14-24mm f/2.8. Immer dabei ist mein schweres Gitzo G1549 MKII samt Gitzo Kugelkopf und einem MC-36 Kabelauslöser. Blitze verwende ich sehr selten, da ich wo es geht versuche natürliche Lichtstimmungen zu erhalten und fotografisch umzusetzen.
Alternativen gäbe es sicher einige, besonders die Top-Modelle von Canon kann man an dieser Stelle hervorheben. Persönlich gefiel mir jedoch die Haptik der Nikon Kameras immer am besten und dies war dann wahrscheinlich auch der Grund warum ich dieser Marke seit nunmehr fast 20 Jahren die Treue halte.
Sehen Sie Ihren Schwerpunkt hauptsächlich in der Reportagefotografie, oder beschäftigen Sie sich auch mit anderen Bereichen?
Ganz im Gegenteil, ich hatte mich bis heute nie in diesem Metier bewegt und die Reportage des Klosters war für mich ein Novum. Meine ganze Liebe galt bisher der Landschafts- und Wildlifefotografie. People- Sport- oder Reportagefotografie erfordert einen viel schnelleren, direkteren Umgang mit der Kamera, welcher mir nie besonderes gelegen war. Wahrscheinlich bin ich zu langsam für diese Art der Fotografie. Vor allem aber ist es in der Landschaftsfotografie selten erforderlich in Interaktion mit dem Berg zu treten, welchen man gerade fotografiert ;-)
Wie sind sie auf das Kloster mit den AIDS-kranken Menschen aufmerksam geworden?
Wie vieles im Leben war auch das purer Zufall. Während meiner letzten Reise in Nepal lernte ich jemanden kennen, der schon öfters im Kloster "Wat Phrabat Nampu" war und dort Berichte fürs thailändische Fernsehen verfasst hatte. Einige Abende später wurde ich dann gefragt ob ich Interesse hätte dort eine Fotoreportage zu machen. Ich wusste zu dieser Zeit weder, dass es ein Aids-Kloster gibt, noch was dort vor sich geht. Natürlich war mir aber klar, dass eine Reportage dort, ein sagen wir es mal vorsichtig, recht schwieriges Thema sein könnte.
Haben sie sich zuvor auf die Situation bei den Kranken vorbereitet?
Kann man sich denn auf etwas vorbereiten das man nicht kennt? Ich weiß es nicht. In meinem Fall habe ich mit dem schlimmsten gerechnet und meine Erwartungen wurden in einer Art und Weise übertroffen die ich nicht in Worte fassen kann. An dieser Stelle wäre ich gerne ein guter Schriftsteller, denn in Worte zu fassen, was ich dort erlebt habe, wäre mir ein großes anliegen. Da ich aber weder Journalist noch Reporter bin, habe ich getan was ich am besten kann, fotografieren.
Wie haben sie selbst die Eindrücke vor Ort verarbeitet?
Noch gar nicht. Zu frisch sind all die Eindrücke, zu tief sitzt die Furcht und es ist noch immer nicht geklärt ob ich an Tuberkulose erkrankt bin oder nicht (und auch wenn die Chance gering sein mag, muss ich noch testen gehen). Meine private Homepage und all die Internetforen wo ich für meine Charity-Aktion werbe, bringt es natürlich mit sich, dass ich täglich all die Bilder nicht nur ansehen muss, nein es bleibt mir auch gar nichts anderes über, als sie mittels EBV aufzubereiten um sie den Menschen da draußen zugänglich zu machen.
Was würden Sie bei einem nächsten Besuch anders machen?
Schwer zu sagen, da man bekanntlich nachher immer schlauer ist. In diesem Fall aber war ich ja zweimal kurz hintereinander vor Ort und habe all meine Kraft, meine Liebe und mein Können in diese Reportage gelegt, von daher denke ich nicht, dass es mir heute möglich wäre irgendetwas besser machen zu können.
Werden Ihre Aufnahmen und der Bericht auch in einer Ausstellung zu betrachten sein?
Es gab viele Anfragen aus dem deutschsprachigen Raum, konkrete Termine gibt es inzwischen aber nur einen. Ab 1. Dezember 2008 kann man einige meiner Bilder vom Kloster "Wat Phrabat Nampu" in Essen, Deutschland sehen. Das Problem ist aber, dass viele meiner Fotos nicht gerade als Jugendfrei zu bezeichnen sind und in einer öffentlichen Ausstellung dann nur wenige Bilder übrig bleiben. Das reißt sie aber wiederum aus dem Zusammenhang und verfälscht die Aussage meines Textes.
Welche Projekte planen sie in nächster Zeit?
Ich arbeite derzeit an einer weiteren Reportage über Burmesische Flüchtlinge in Thailand. Die ersten Fotos dazu sind bereits online auf meiner Homepage. Da meine Recherche aber noch nicht abgeschlossen ist, wird der eigentliche Bericht noch etwas dauern. Danach ist vorerst mal nichts geplant, denn nach 8 Wochen Wildlifefotografie in Afrika letztes Jahr (nachzulesen in meinem Blog) und diesem sehr bewegendem Projekt heuer, möchte ich mich nächstes Jahr ausschließlich meiner Familie widmen. In der letzten November Woche (2009) fliege ich dann zwar wieder nach Thailand um die Einnahmen aus meinem Spendenprojekt persönlich zu übergeben, dies wird aber sicher nur ein Kurzaufenthalt und kein Urlaub im herkömmlichen Sinn. In diesem Zusammenhang hoffe ich schon jetzt, wenigstens ein oder zwei der lieb gewonnenen Patienten des Klosters wieder zu sehen zu dürfen und es wird klarerweise auch eine Fortsetzung der Geschichte geben, den wie sagte Frau Pranee Porjai so treffend.... "das Leben hört nie auf!"
Was möchten sie unseren Lesern noch auf den Weg geben?
Diskutiert weniger über Technik und konzentriert euch mehr auf das was in der Praxis relevant ist, sammelt Erfahrung in dem Gebiet das euch am meisten interessiert. Geht raus, fotografiert und besprecht anschließend mit Fotografen was ihr besser machen könnt. Um heutzutage erfolgreich sein zu können muss man sich spezialisieren und all seine Kraft in ein Thema legen. Universalgenies wird es zwar auch in Zukunft noch geben, aber sie werden zusehends seltener, davon bin ich überzeugt.
Weitere Informationen
Das hier verwendete Bildmaterial darf nicht kopiert und weiterverwendet werden. Bereitgestellt für
www.dslr-seite.de von Wolfgang Steiner.
Dieses Interview führten wir anlässlich des Weltaidstages am 1. Dezember 2008