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Anleitung für Nachtaufnahmen
Dieser Aufsatz wurde freundlicherweise von unserem Mitglied Frosty eingestellt.
Anleitung
Anleitung für Nachtaufnahmen
Um die Nutzung eines Stativs kommt man nur in Ausnahmefällen herum, weil die Belichtungszeiten sehr lang sind. Das Stativ sollte leicht und kompakt genug sein, damit es unterwegs nicht zur unerträglichen Last wird, aber auch stabil genug, damit es seine Aufgabe, verwacklungs- und versatzfreie Aufnahmen zu ermöglichen, erfüllen kann.
Ob man das Stativ mit einem 2/3-Wege-Neiger oder einen Kugelkopf ausstattet, ist sowohl eine Frage der persönlichen Vorlieben als auch eine Preisfrage. Um Erschütterungen zu vermeiden sollte man einen Funk- oder Kabelfernauslöser nutzen und die Spiegelvorauslösung der Kamera aktivieren.
Die großen Helligkeitsunterschiede bei Nachtmotiven, überfordern regelmäig die Bildsensortechnik. Das führt dazu, daß die hellsten Bildbereiche in reinem Weiß ausbrennen und/oder die dunkelsten Bildteile in reinem schwarz absaufen. Bei Einzelaufnahmen hilft an dieser Stelle auch die beste Bildbearbeitung nicht weiter. Die Lösung für dieses Problem sind Belichtungsreihen, also eine Reihe von Aufnahmen des gleichen Motivs mit unterschiedlichen Belichtungszeiten, wodurch sich ebenso die Notwendigkeit der Stativnutzung ergibt, weil diese Aufnahmen absolut deckungsgleich sein müssen. Die Aufnahmen werden später am Rechner per DRI-Technik miteinander verrechnet, so daß man Bilder erhält, die sehr viel detailreicher sind als die Einzelaufnahmen und der menschlichen Wahrnehmung vor Ort nicht nur ebenbürtig sind, sondern diese vielfach übertreffen.
Folgende Einstellungen an der Kamera sind empfehlenswert:
- ISO: Den niedrigsten Standardwert auswählen, also je nach Kameramodell 100 oder 200.
Je niedriger der ISO-Wert ist, desto höher ist die erzielbare Bildqualität und desto geringer ist das Bildrauschen. Andererseits kann man auf längeren Touren mit einem höheren Wert entsprechend viel Zeit einsparen. Ich nutze deshalb meist ISO 200 statt ISO 100. - Betriebsart: M - Manuelle Einstellung von Blende und Zeit.
Es bietet sich an, die Belichtungszeiten einfach per Hand am Fernauslöser zu steuern, anstatt nach jeder Aufnahme an der Kamera herumzufummeln und zu riskieren, daß die Ausrichtung der Kamera leicht verändert wird, so daß die Aufnahmen nicht mehr deckungsgleich und damit für die DRI-Bearbeitung nutzlos sind. Zudem sind mit der Zeitautomatik der Kameras meist nur Belichtungszeiten bis 30 Sekunden möglich, was häufig nicht reicht. - Blende: 8
Bei dieser Blende ist der Schärfebereich für die Motive der Nacht meist ausreichend groß. Es gibt selbstverständlich Ausnahmen, wenn es darum geht, einen besonders großen oder kleinen Schärfebereich zu erzeugen. Die Werte rund um die 8er Blende sind aber auch deshalb ein guter Standardwert, weil viele Objektive in diesem Blendenbereich ihre besten Abbildungsleistungen abliefern. Überlicherweise ist das der von der Offenblende ausgehend um 2 ganze Stufen abgeblendete Wert. Zudem werden helle Punktlichtquellen wie bspw. Laternen bei dieser Blende bereits in schöne Lichtsterne aufgebrochen. Dieser "Sterneffekt" ist abhängig vom genutzten Objektiv und der genutzten Blende. Je weiter die Blende geschlossen ist, desto stärker tritt er in Erscheinung. - Belichtungszeit: bulb (Langzeitbelichtungsmodus)
Jedes Motiv verlangt andere Belichtungszeiten. Bei Belichtungsreihen sollte immer die Belichtungszeit verändert werden und nie die Blende. - Aufnahmeformat: RAW
Wegen der Möglichkeit den Weißabgleich nachträglich zu ändern, sollte grundsätzlich das RAW-Format genutzt werden. Eine kühlere Farbabstimmung sieht häufig besser aus, als die bei Nachtaufnahmen übliche starke Gelbtönung. Mit dem Dreh an den Farbreglern einer JPEG-Aufnahme ist diese Farbgebung nicht zu erreichen und überdies mit einem starken Verlust an Bildqulität verbunden. Daneben tragen selbstverständlich auch die sonstigen Vorteile des RAW-Formates dazu bei, sich die Nachbearbeitung zu erleichtern und eine höhere Bildqualität zu erzielen. - Scharfstellung
Manchmal ist es notwendig, manuell zu fokussieren, weil der Autofokus (AF) bei wenig Licht überfordert ist. Der AF sollte vor dem Start der Belichtungsreihe deaktivert werden, damit verhindert wird, daß der Schärfepunkt versehentlich verstellt wird. Praktisch ist es, wenn die Kamera die Möglichkeit bietet, den AF vom Auslöser zu trennen und auf eine andere Taste zu legen, so daß man dann nicht ständig den AF-Schalter des Objektivs umstellen muß.
Zubehör
Eine kleine Taschenlampe kann nachts sehr nützlich sein, wenn man bspw. im Fotorucksack etwas sucht oder an der Kamera Einstellungen vornehmen will. Es gibt auch kleine Wasserwaagen für den Blitzschuh um die Kamera exakt waagerecht auszurichten. Sie sehen zwar lustig aus aber ihr Nutzen ist leider sehr begrenzt. Mattscheiben mit (einblendbaren) Gitternetzlinien oder elektronische im Sucher eingeblendete Wasserwaagen sind meist eine deutlich größere Hilfe.
Die passende Belichtungszeit
Die passenden Belichtungszeiten ermittelt man einfach durch Testaufnahmen bzw. Erfahrungswerte und anschließender Betrachtung des Histogramms. In den Belichtungsreihen sollten sich Aufnahmen befinden, in denen die dunklen Bildteile noch Zeichnung haben, sowie Aufnahmen, bei denen die hellen Bildteile noch Zeichnung haben. Üblicherweise liegen die Belichtungszeiten 2 EV (1 EV = Halbierung bzw. Verdoppelung der Lichtmenge) auseinander, also bspw. 1 - 4 - 16 - 64 Sekunden. Die Anzahl der Aufnahmen richtet sich nach dem Motiv und der Spreizung in EV. Mit nur 1 EV Unterschied zu arbeiten lohnt sich bei RAW-Nutzung meiner Meinung nach nicht. Diese Zwischenwerte holt man sich einfach aus den RAWs bei der Entwicklung im RAW-Konverter.
Vielfach sieht man den Aufnahmen von Anfängern an, daß ihre längsten Aufnahmen noch zu kurz waren, und dunkle Bildteile deshalb kaum Helligkeit und Zeichnung oder starkes Bildrauschen aufweisen. Deshalb immer ausreichend Geduld für die Aufnahme mit der längsten Belichtungszeit aufbringen um sich später bei der EBB nicht unnötig viel Arbeit machen zu müssen!

