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    Bildsensorgröße und Crop-Faktor

    Dieser Aufsatz wurde freundlicherweise von unserem Mitglied Frosty eingestellt.

     

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Grafik Sensorgrößen
Version 2.0

 

Bildsensorgröße und Crop-Faktor


Wie sich die Sensorgröße tatsächlich aufs Bild auswirkt.

Es wird leider viel Unsinn und irreführendes Halbwissen verbreitet, wenn es darum geht, die Auswirkung unterschiedlicher Bildsensorgrößen zu erklären.

In den meisten Digitalkameras werden Bildsensoren verbaut, die nicht so groß sind, wie wir das von KB-Dias und KB-Negativfilmen (Kleinbildformat: 24mm x 36mm) gewohnt sind. Das Licht wird vom Objektiv aber immer identisch in die Kamera gelenkt, so daß keine Anpassung an die Sensorgröße vorgenommen wird.

Deshalb wird im Innenraum der Kamera immer der gleich große Bereich ausgeleuchtet. Wenn der Sensor kleiner ist, fängt er aber nur den mittleren Teil des Bildes ein, so daß die Randbereiche fehlen und der Eindruck entsteht, daß man mit einer längeren Brennweite fotografieren würde weil man scheinbar ins Bild hineingezoomt hat. Der Crop-Faktor beschreibt das Verhältnis zwischen der tatsächlichen (physikalischen) Brennweite des Objektivs einerseits und dem Brennweiteneindruck, der durch den Bildausschnitt entstaden ist, andererseits.

Nun ist es aber so, daß sich die tatsächliche Brennweite eines Objektivs nicht nur auf den abgebildeten Ausschnitt (Bildwinkel) eines Motivs auswirkt, sondern auch auf den Schärfeverlauf im Motiv. Je länger die Brennweite ist, desto schmaler wird der Bereich, in dem alles scharf abgebildet wird. Auch deshalb, setzt man für Portraitaufnahmen, leichte Telebrennweiten ein. So wird es einfacher, einen Menschen im Raum besser freizustellen, also dafür zu sorgen, daß nur die Person scharf abgebildet wird, und alles andere im Vorder- und Hintergrund in der Unschärfe verschwimmt und so nicht mehr ablenken kann.

Da die physikalisch Brennweite gleich geblieben ist und sich somit auch nichts am Schärfeverlauf geändert hat, weil das Motiv sensorgrößenbedingt lediglich rundherum beschnitten ist, so als hätte man einen Kleinbild-Papierabzug einfach mit einer Schere bearbeitet, entsteht der Eindruck, daß der Schärfebereich größer geworden wäre, so als hätte man die Blende etwas geschlossen. Aber wie gesagt, tatsächlich hat sich nichts verändert.

Vor- und Nachteile:

Vorteilhaft ist der Crop-Effekt, wenn ein möglichst großer Bereich im Bild scharf abgebildet werden soll, weil man für den gleichen Bildwinkel ein Objektiv mit kürzerer Brennweite (kleiner, leichter und zumeist preiswerter) einsetzen kann, wodurch sich der Schärfebereich bei gleicher Blende vergrößert.

Nachteilige ist er, wenn Motive möglichst stark freigestellt werden sollen, weil man (1.) für den gleichen Ausschnitt (Bildwinkel) bei gleicher Motiventfernung eine kürzere Brennweite einsetzen muß, wodurch sich bei gleicher Blende der Schärfebereich ausdehnt oder man (2.) den Abstand zum Motiv vergrößern muß, wodurch sich der Schärfebereich um das freizustellende Motiv herum ebenfalls ausdehnt, weil der Schärfebereich mit zunehmender Entfernung größer wird. Zum abweichenden Schärfeverlauf kommt bei (2.) ggf. auch noch eine abweichende Perspektive hinzu.
Zumindest teilweise läßt sich das verringerte Freistellungsvermögen durch den Einsatz lichtstärkerer kürzerer Brennweiten (teurer) kompensieren.

Zusammengefaßt:

I. Kleinere Bildsensoren erfassen nur einen Ausschnitt (Crop), von dem, was ein Kleinbild-Sensor erfaßt. Weil die Randbereiche fehlen, entsteht lediglich der oberflächliche Eindruck, daß die Brennweite um den Crop-Faktor verlängert wäre. An den objektiv- und somit auch realbrennweitenabhängigen Eigenschaften ändert sich nichts. Schärfeverlauf, Verzerrungen usw. bleiben wie sie sind.

II. Wird ein Motiv mit mehreren Kameras aufgenommen, die unterschiedlich große Bildsensoren enthalten und man nutzt das gleiche Objektiv mit der gleichen Blende bei gleicher Entfernung und beschneidet die Fotos der Aufnahmen mit größerem Sensor später auf den kleineren Bereich, den die kleineren Sensoren erfassen (praktisch nur interessant, wenn am KB kein Objektiv mit entsprechend längerer Brennweite zur Verfügung steht), dann hat man abgesehen von der Auflösung, identische Fotos vor sich. (siehe Grafik)

In der Praxis bedeutet das:

An Kameras mit kleineren Sensoren nutzt man kürzere Brennweiten oder vergrößert den Abstand zum Motiv, damit nicht nur der Ausschnitt, sondern auch die gleichen Randbereiche mit aufs Bild kommen. Die Motive können nicht ganz so stark freigestellt werden.